Warum die richtige Balance wichtiger ist als Extreme
Protein wird seit Langem mit Kraft, Fitness und Muskelaufbau verbunden. In den vergangenen Jahren ist durch die Forschung zum gesunden Altern jedoch ein weiterer Aspekt stärker in den Fokus gerückt: Protein ist unverzichtbar, aber auch die Menge und die Proteinquelle können eine Rolle dabei spielen, wie wir altern.
Besonders proteinreiche Ernährungsweisen mit einem hohen Anteil tierischer Lebensmittel werden deshalb immer wieder diskutiert. Unterstützen sie langfristig die Gesundheit oder kann dauerhaft sehr viel Protein möglicherweise auch Nachteile haben?
Schauen wir uns an, was die Forschung dazu sagt.
Protein ist für Deinen gesamten Körper wichtig
Protein ist nicht nur für Deine Muskeln da. Praktisch jede Zelle Deines Körpers ist auf Proteine und ihre Bausteine angewiesen.
Protein spielt unter anderem eine Rolle bei:
- Der Bildung von Enzymen
- Der Regulierung verschiedener Hormone
- Der Funktion des Immunsystems
- Aufbau und Reparatur von Gewebe
- Dem Erhalt von Muskelmasse und Stoffwechselfunktionen
Dein Körper verfügt im Gegensatz zu Fett und Kohlenhydraten über keinen speziellen Speicher für überschüssiges Protein. Deshalb ist eine regelmäßige Zufuhr über die Ernährung wichtig.
Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob Du Protein brauchst, sondern welche Menge und welche Quellen langfristig gut zu Deiner Ernährung passen.
Protein aktiviert Wachstumssignale im Körper
Die Aufnahme von Protein, insbesondere bestimmter Aminosäuren, beeinflusst verschiedene Signalwege im Körper. Dazu gehören unter anderem mTOR und IGF-1.
Diese Signalwege spielen eine wichtige Rolle bei:
- Muskelaufbau
- Regeneration
- Zellwachstum
- Reparaturprozessen nach körperlicher Belastung
In der Forschung zum Altern wird gleichzeitig untersucht, ob eine dauerhaft sehr hohe Aktivierung bestimmter Wachstumssignalwege langfristig auch Nachteile haben könnte.
Studien an Modellorganismen und Beobachtungsdaten beim Menschen deuten auf Zusammenhänge mit Zellalterung und verschiedenen altersbezogenen Prozessen hin. Wie relevant diese Mechanismen bei gesunden Menschen im Alltag tatsächlich sind, hängt jedoch von vielen Faktoren ab.
Vereinfacht gesagt: Wachstum und Regeneration sind wichtig, aber mehr ist nicht automatisch immer besser.
Warum viel tierisches Protein in der Langlebigkeitsforschung diskutiert wird
Tierische und pflanzliche Proteinquellen unterscheiden sich nicht nur beim Aminosäureprofil.
Tierische Proteinquellen werden je nach Lebensmittel häufig auch zusammen mit höheren Mengen gesättigter Fettsäuren konsumiert und enthalten keine Ballaststoffe oder pflanzlichen Polyphenole.
Einige Beobachtungsstudien haben einen Zusammenhang zwischen einer sehr hohen Aufnahme tierischen Proteins und bestimmten langfristigen Gesundheitsrisiken gefunden, insbesondere im mittleren Lebensalter.
Dazu gehören Zusammenhänge mit:
- Gesamtsterblichkeit
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Bestimmten Krebsarten
Bei pflanzlichen Proteinquellen wurden diese Zusammenhänge teilweise nicht oder weniger stark beobachtet (1) (3).
Das bedeutet allerdings nicht, dass tierisches Protein grundsätzlich ungesund ist. Entscheidend sind die Gesamternährung, Menge, Häufigkeit und die konkreten Lebensmittel, aus denen das Protein stammt.
Pflanzliches Protein und gesundes Altern
Pflanzliche Proteinquellen bringen neben Protein häufig weitere Bestandteile mit, darunter:
- Ballaststoffe
- Polyphenole
- Ungesättigte Fettsäuren
- Vitamine und Mineralstoffe
Große Beobachtungsstudien zeigen, dass der teilweise Austausch tierischer Proteinquellen durch pflanzliche Alternativen mit günstigeren langfristigen Gesundheitswerten verbunden sein kann (3).
Das ist einer der Gründe, warum pflanzenbetonte Ernährungsweisen häufig mit gesundem Altern und einer guten langfristigen Gesundheit in Verbindung gebracht werden.
Dabei musst Du Dich nicht zwangsläufig komplett vegan ernähren. Schon eine abwechslungsreiche Ernährung mit einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel kann sinnvoll sein.
Protein bleibt mit zunehmendem Alter besonders wichtig
Zu viel Protein ist nicht automatisch besser. Zu wenig Protein kann allerdings ebenfalls problematisch sein, gerade im höheren Alter.
Eine unzureichende Proteinzufuhr kann mit folgenden Problemen verbunden sein:
- Verlust von Muskelmasse
- Abnehmende Kraft
- Eingeschränkte Mobilität
- Höheres Risiko für Gebrechlichkeit
- Langsamere Regeneration
Mit zunehmendem Alter reagiert die Muskulatur außerdem weniger empfindlich auf kleinere Proteinmengen. Deshalb empfehlen Fachgesellschaften für ältere Erwachsene häufig eine höhere Proteinzufuhr als die allgemeine Mindestempfehlung (4).
Es geht also nicht darum, Protein zu vermeiden, sondern die richtige Menge zu finden.
Wie viel Protein ist sinnvoll?
Für gesunde und aktive Erwachsene werden je nach Trainingsumfang und Ziel häufig etwa 1,2 bis 1,6 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag als Orientierung diskutiert.
Der individuelle Bedarf kann höher oder niedriger ausfallen, beispielsweise abhängig von:
- Alter
- Trainingspensum
- Kalorienzufuhr
- Krankheit oder Regeneration
- Persönlichen Zielen
Gerade mit zunehmendem Alter kann eine ausreichende Proteinzufuhr zusammen mit regelmäßigem Krafttraining dabei helfen, Muskelmasse und körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten (4) (5).
Für eine langfristig ausgewogene Ernährung lohnt es sich außerdem, verschiedene Proteinquellen zu kombinieren und regelmäßig pflanzliche Alternativen einzubauen.
Wo pflanzliches Proteinpulver ins Spiel kommt
Im Alltag ist es nicht immer einfach, den eigenen Proteinbedarf regelmäßig über Mahlzeiten zu decken.
Das kann besonders dann der Fall sein, wenn Du:
- Dich überwiegend pflanzlich ernährst
- Viel unterwegs bist
- Regelmäßig trainierst
- Einen höheren Proteinbedarf hast
Ein hochwertiges pflanzliches Proteinpulver kann hier eine praktische Ergänzung sein.
Es kann dabei helfen:
- Deine tägliche Proteinmenge leichter zu erreichen
- Den Erhalt von Muskelmasse zu unterstützen
- Mehr pflanzliche Proteinquellen in Deine Ernährung einzubauen
- Protein unkompliziert in Shakes, Smoothies, Joghurt oder andere Mahlzeiten zu integrieren
Gut zusammengestellte pflanzliche Proteinmischungen können verschiedene Proteinquellen miteinander kombinieren und dadurch ein ausgewogenes Aminosäureprofil liefern.
Fazit
Protein ist kein Gegner von gesundem Altern.
Auf die Balance kommt es an.
Eine langfristig ausgewogene Proteinzufuhr bedeutet:
- Genügend Protein aufzunehmen, ohne zwangsläufig möglichst viel essen zu wollen
- Verschiedene Proteinquellen zu nutzen
- Pflanzliche Proteine regelmäßig einzubauen
- Muskelmasse mit zunehmendem Alter gezielt zu erhalten
- Extreme Ernährungsweisen nicht automatisch für besser zu halten
Kraft und gesundes Altern sind keine Gegensätze. Mit einer ausgewogenen Ernährung, genügend Protein und regelmäßigem Krafttraining können beide Ziele gut zusammenpassen.
Quellen
- Levine, M. E., et al. (2014). Low protein intake is associated with a major reduction in IGF-1, cancer, and overall mortality in the 65 and younger but not older population. Cell Metabolism.
- Fontana, L., & Partridge, L. (2015). Promoting health and longevity through diet: from model organisms to humans. Cell.
- Song, M., et al. (2016). Association of animal and plant protein intake with all-cause and cause-specific mortality. JAMA Internal Medicine.
- Bauer, J., et al. (2013). Evidence-based recommendations for optimal dietary protein intake in older people. Journal of the American Medical Directors Association.
- Pasiakos, S. M., et al. (2015). Dietary protein and muscle health. Current Opinion in Clinical Nutrition & Metabolic Care.











Teilen:
Vitamin D: Warum das Sonnenvitamin so wichtig für Deine Gesundheit ist
Warum sprechen plötzlich alle über Protein Coffee?